HPV - Kein Drama aber auch keine Love Story

 


"Hier spricht Ihre Frauenarztpraxis Dr. XY, Ihr PAP Abstrich war auffällig bitte machen Sie einen neuen Termin zur Kontrolle in 6 Monaten aus, vielen Dank".

Mit diesem Anruf begann meine Reise in eine völlig neue Welt, in der ich mich ziemlich allein gelassen und verloren gefühlt habe und auch teilweise noch fühle.
Viele denken jetzt bestimmt am Ende des Beitrags, wieso teilt die denn Ihr Privatleben und so eine private Sache öffentlich in einem Post auf Ihrem Blog? Das gehört sich nicht usw.
Ja, mag sein. Dennoch, da ich die Erfahrungen die ich hier berichten werde selbst erlebt habe, weiß ich wie einsam ich mich mit dem ganzen Thema HPV gefühlt habe. Auch Recherchen über Google haben mir nicht wirklich das Gefühl gegeben, dass es ein Forum oder die Möglichkeit eines Austauschs von Betroffenen zu dem Thema gibt. Und das möchte ich gerne mit meinem Post ein wenig verändern. Wer das nicht lesen möchte, bitte hier das Fenster schließen. Wer es nicht in Ordnung findet, völlig okay aber eben nicht meine Einstellung.

Fangen wir mal von vorne an! Das ganze sollte ja schon ein bisschen mit Struktur beginnen und nicht im Fakten- und Informationschaos enden. In diesem Post möchte ich euch gerne über das Thema HPV informieren und euch einfach mal meinen Werdegang mit diesem eher unschönen und nervigen Kandidaten berichten. Vielleicht hilft es ja der ein oder anderen Dame weniger Angst zu haben, selber offen darüber zu sprechen oder einfach nur sich selbst in der Geschichte widerzuerkennen.

Alles begann damit, dass ich im November, wie immer, zur Routine Untersuchung zu meiner Frauenärztin ging. Bei meinem PAP Abstrich wurde eine Auffälligkeit festgestellt. Mein PAP Abstrich lautete PAP D.3. Im Prinzip ist das Ergebnis des PAP Abstrich in Stufe 1-5 gegliedert und dann noch teilweise die Zahl plus ein Buchstabe. PAP 1 und 2 sind im Normalbereich. Laut meiner Frauenärztin bedeutete mein Ergebnis in Schulnoten eine 3-. Ein auffälliger PAP Abstrich bedeutet nicht automatisch, dass man HPV hat, es bedeutet nur, dass eine Veränderung der Zellen festgestellt wurden. Dies kann aber auch durchaus nur ein bakterieller Infekt sein. Die normale Vorgehensweise ist hier ein weiterer Abstrich zur Kontrolle in 6 Monaten.
Jetzt muss man wissen, ich hasse warten!!! Besonders, wenn man das Gefühl hat da ist irgendwas nicht in Ordnung. 
Zwischenzeitlich habe ich meine Frauenärztin gewechselt und war zu einem Erstgespräch mit anschließender Untersuchung im März bei meiner neuen Frauenärztin. Diese machte einen neuen PAP Abstrich und auch gleichzeitig einen HPV Test mit. Den HPV Test hätte sie eigentlich nur gemacht, wenn der zweite PAP Abstrich ebenfalls auffällig gewesen wäre. Da ich aber eine kleine Nervensäge und leichter Hypochonder bin wurde er diesmal direkt mit gemacht.
Nun hieß es wieder warten auf das Ergebnis.

Die zweite Hiobsbotschaft war, dass der HPV Test positiv ausfiel. Natürlich fing ich direkt an zu googeln und mich in das Thema einzulesen.........keine besonders gute Idee, da man hier auch viel verunsichert und auch leicht panisch werden kann. Schon bei diesen Recherchen fiel mir auf, es gibt wenig Austausch zu dem Thema und obwohl es ein weit verbreiteter Virus ist, sprechen wenige Menschen (besonders Frauen) darüber. Warum? Weil uns vermittelt wird, der Virus wird rein beim Geschlechtsverkehr übertragen und das in der Regel bei vielen wechselnden Sexualpartnern. Okay, liest sich für mich so, wenn ich HPV habe, habe ich fleißig in der Gegend rum gev****.......! NEIN! So ist es definitiv nicht.
Ja, in der Regel steckt man sich mit HPV beim Geschlechtsverkehr an. Es kann aber auch sein, dass man sich den Virus über Oberflächen zum Beispiel in einer öffentlichen Toilette eingefangen hat. Der Virus wird in der Regel über den Mann übertragen. Für den Mann ist er grundsätzlich nicht gefährlich, bei uns Frauen fühlt er sich jedoch richtig wohl und richtet sein neues zu Hause ein. Es kann auch durchaus sein, dass man jahrelang in einer Partnerschaft lebt, beide Partner haben keine anderen sexuellen Kontakte gehabt. Nie war etwas auffällig und plötzlich bekommt man die Diagnose HPV. Das ist ein wenig mit Herpes zu vergleichen. Man trägt den Virus in sich er muss aber nicht sofort ausbrechen.

Bei HPV gibt es mittlerweile über 100 verschiedene Virustypen. Hier gibt es die Gruppen "low risk", "high risk" und "möglicherweise high risk". Die "high risk" Viren können z.B. zu Gebärmutterhalskrebs führen. Können, müssen aber nicht. Auch hier spielt das Thema Früherkennung und direkte Behandlung eine Rolle.
Bei den allen HPV Varianten kann der Körper sich mit einem starken Immunsystem selbst heilen. Viele merken auch gar nicht, dass sie eine HPV Infektion haben oder hatten, da diese in der Regel symptomfrei abläuft. 
Einen wirklichen Behandlungsplan gibt es leider nicht, hier muss man von Fall zu Fall entscheiden. WICHTIG ist aber, dass man Mädchen bis zum Alter zwischen 12 und 17 Jahren, besonders gegen die high risk Varianten, impfen lassen kann und das auch tun sollte. Aber auch bei Jungen wäre die Impfung definitiv angebracht, da sie ja in der Regel die Überträger sind. Daher sollten sich auch die Jungen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren impfen lassen.
Das als ein paar Infos am Rande am besten lest ihr euch selbst ein oder sprecht in Ruhe mit eurem Frauenarzt/eurer Frauenärztin darüber. Ich möchte hier auch keine falschen Infos weitergeben ;)

Kommen wir zu meinem Fall zurück. Ich hatte nun die Diagnose HPV und war quasi Wikipedia in Menschenform in diesem Themenbereich. Als ich dann das Ergebnis schriftlich vorliegen hatte, kam der nächste Schock. Es war natürlich nicht einer dieser harmlosen Virustypen die sich irgendwann von allein in Luft auflösen. Nein, es war eine der high risk Varianten nämlich Typ 16. Herzlichen Glückwunsch sie haben den Jackpot gewonnen.
Natürlich war ich fix und fertig. Ich hatte keine Ahnung was das für mich bedeutet und wie lange dieser ominöse Virus schon in meinem Körper schlummert oder eher wuchert......
Die ärztliche Vorgehensweise in meinem Fall sieht vor, dass wenn ein HPV Test positiv ausfällt, man zu einer so genannten "Abklärungskolposkopie" gehen soll. Jetzt ist das hier auch unterschiedlich. Manche Frauenärzte machen diese Untersuchung selbst und dann kommt der nächste Schritt. Manche Frauenärzte schicken einen zu einem Spezialisten. Bei dieser Untersuchung wird mit einem Lupeninstrument der Muttermund kontrolliert und mit einer iodhaltigen Essenz betupft. Färbt sich das Gewebe dunkel, ist alles tutti. Färbt es sich hell, liegt zellverändertes Gewebe vor, welches genauer untersucht werden muss. Hier entnimmt man eine Gewebeprobe an den betroffenen Stellen. Quasi eine Art Biopsie.
Teilweise wird das in 2 Schritten gemacht. Erst die detaillierte Untersuchung ob verändertes Gewebe vorliegt und dann im nächsten Termin die Probeentnahme. Oder wie bei mir alles in einem Aufwasch.

Ich musste also einen Termin für diese Abklärungskolposkopie (ich kann es einfach bis heute nicht aussprechen) im Krankenhaus machen. Yeah, ich liebe Krankenhäuser.....nicht. Jetzt ist das in der aktuellen Pandemiesituation natürlich auch alles andere als normal. Denn es darf einen keiner begleiten. Man muss da komplett allein durch. Für mich als jemand der in solchen Momenten viel Zureden und beruhigende Worte braucht natürlich eher suboptimal. Aber gut ich hatte keine Wahl. Von meiner besten Freundin wusste ich bereits wie die Untersuchung ungefähr abläuft. Das gab mir ein wenig Sicherheit und beruhigte mich etwas. Am Tag der Untersuchung machte ich mich also mit meinem kleinen Fragenkatalog (man vergisst bei Nervosität ja die Hälfte) auf den Weg.
Ich kam auch recht schnell dran und meine Ärztin war wirklich sehr freundlich. Ich durfte erstmal alle meine Fragen stellen und dann erklärte sie mir wie die Untersuchung ablaufen wird. Es gab sogar einen Monitor an dem ich das ganze Spektakel live verfolgen durfte. Leute, ich sage euch, dass ist enorm hilfreich, wenn ihr erklärt bekommt was man da sieht und was da gerade passiert. Ihr müsst natürlich nicht, wenn ihr sowas eher schlecht sehen könnt.

Im Prinzip ist das alles wie eine gynäkologische Untersuchung, nur ein wenig länger. Sie betupfte dann den Muttermund mit der komischen Flüssigkeit (es fühlt sich etwas warm an) und erklärte mir dann wo man die hellen Stellen sehen kann an denen eine Zellveränderung vorliegt. Ich hatte natürlich, naiv wie ich war, gehofft es gäbe keine Veränderungen. Meine Ärztin meinte jedoch, dass die Stellen schon am verblassen wären und sie gehe davon aus, die Infektion wäre bereits am abklingen. Eine Probe wollte sie trotzdem gerne entnehmen.
Die Probe wird mit einer Art kleiner Zange durchgeführt, das Gewebe wird quasi abgeknipst. Die Proben werden dann untersucht ob das Gewebe gutartig oder bösartig ist.
Meine beste Freundin hat es wie eine kleine fleischfressende Pflanze beschrieben. Man muss kräftig husten und in dem Moment wird das Gewebe abgeknipst. So spürt man quasi gar nix.
Zwei Proben wurden entnommen, danach muss man noch einen Moment liegen, während die Ärztin die Blutung stoppt. (Nein hier kommt kein Schwall Blut aus deinem Unterleib geschossen, es sind eben Schleimhäute da dauert es einen Moment bis sich alles beruhigt).
Am Ende bekommt man eine U-Boot artige Binde übergeben, damit eventuelle kleine Nachblutungen aufgefangen werden können. (Man fühlt sich ein wenig als habe man eine Windel an). Meine Ärztin meinte sie meldet sich nächste Woche mit den Ergebnissen, geht aber davon aus, dass alles gut ist.

Es war also erstmal alles vorbei und ich war nach den Aussagen der Ärztin vorsichtig optimistisch. Joah, bis dann der Anruf mit dem Ergebnis kam.
Auf meiner Mailbox landete die Nachricht, dass mein Ergebnis vorliegen würde und ich solle doch mal bitte zurück rufen. Mit mulmigem Gefühl tat ich das dann auch.
Tja, was soll ich sagen, nächste Hiobsbotschaft. Meine Probe wies wohl an einer Stelle bösartiges Gewebe auf. Die Ärztin war selbst ein wenig überrascht empfahl mir aber jedoch direkt eine so genannte Konisation. Eine Operation bei der quasi ein Teil des Muttermunds weggeschnitten wird und somit das befallene Gewebe komplett entfernt ist. Natürlich können auch diese Art von Virus von alleine heilen, allerdings nur in 60% der Fälle und das Risiko einer Krebserkrankung wäre hier recht hoch. Ich konnte mit ihr direkt einen OP Termin in 3 Wochen festlegen. Der Eingriff findet ambulant aber unter Vollnarkose statt. Sprich man kommt morgens ins Krankenhaus, wird operiert und darf dann mittags/nachmittags wieder nach Hause. Der Eingriff selbst dauert wohl nur 30-60 Minuten.

An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass ich in meinem Leben noch nie eine Operation hatte. Es ist also nicht nur die Angst vor dem Eingriff selbst die mir Angst macht sondern eben auch das drumherum. Ich mag keine Situationen bei denen ich nicht weiß was auf mich zukommt.
Man hätte mit der OP auch noch einen Moment warten können aber ganz ehrlich Leute, ich möchte diesen Scheiß jetzt einfach los werden.
Also habe ich mich für eine zeitnahe OP in 3 Wochen entschieden. Aktuell bin ich recht ruhig, ich denke mir es muss raus was mich krank macht und sie sollen es einfach entfernen. Ich habe keine Wahl und es haben auch schon andere vor mir geschafft. Außerdem habe ich danach hoffentlich meine Ruhe mit diesem Thema. Am Ende wird die Tage davor, die Nervosität sicherlich gewinnen. Auch weil auch an diesem Tag niemand bei mir bleiben darf. Ich werde abgeladen und wieder eingeladen. Kein Händchen halten, kein gut zureden, einfach nur ich alleine gegen den Rest der Welt......oder in dem Fall HPV. Nicht geil aber okay es ist wie es ist.

So ist also der aktuelle Stand. Wie fühle ich mich damit? Irgendwie fühle ich mich aktuell etwas "defekt". Grundsätzlich war ich immer ein gesunder Mensch, ich hatte kaum Krankheiten, wurde noch nie operiert und war immer sehr stolz auf mein Immunsystem. Nun sowas.....manchmal weiß ich nicht wie ich damit umgehen soll. Aber eins weiß ich, ich möchte den Kram gerne los werden. Und dafür werde ich natürlich alles tun.
Was mich aber bei diesem ganzen Thema etwas gewundert hat, ist eben wie wenig Austausch es zum Thema HPV gibt. Man kann super viele Artikel lesen, zu den Viren und wo es her kommt usw. Aber mir fehlt eine Plattform wo man mit Menschen schreiben kann, die ähnliches erlebt haben. Und es gibt so viele. Wenn man offen mit dem Thema umgeht, entdeckt man in seinem Umfeld immer mehr Frauen die ähnliches erlebt haben. Man ist also nicht allein. Kein seltenes Einhorn, was alle schief anschauen.
Daher kann ich alle nur ermutigen offen darüber zu sprechen. Nicht nur für sich selbst sondern um anderen Frauen Mut zu machen und ihnen das Gefühl zu geben wir sitzen alle im gleichen Boot und sind füreinander da. Es ist kein Tabu Thema und man muss sich auch nicht dafür schämen. Man muss es ernst nehmen und wissen worauf man achten muss!

Ich hatte vorhin ja das Thema mit dem impfen von Mädchen und Jungen bis zu einem gewissen Alter angesprochen. Auch in meinem Fall wurde mir eine nachträgliche Impfung ans Herz gelegt. Sie unterstützt das Immunsystem gegen diesen Virus stark zu sein. Die Impfung kann aber nur nach einer erfolgreich abgeklungenen Infektion erfolgen. Es sind 2 oder teilweise 3 Spritzen. Grundsätzlich muss man diese Impfung selbst bezahlen und die Kosten liegen bei ca. 170€ pro Dosis. Aber auch hier muss man sich erkundigen und mit seiner Krankenkasse sprechen inwiefern Kosten übernommen werden.

Über meinen weiteren Weg halte ich euch gerne auf dem Laufenden. Keine Ahnung wer diesen Blog überhaupt liest :) Aber wenn ihr Fragen habt oder etwas wissen möchtet, lasst ein Kommentar da oder schreibt mir eine kurze Nachricht.
Ansonsten drückt mir bitte für die OP die Daumen, dass alles gut geht und ich mich danach mit diesem Thema nicht mehr groß beschäftigen muss!



Ich bin lebensmüde......

 


Nein, das ist keinesfalls ein suizid Post oder ein Anzeichen dafür ich wäre in diese Richtung gefährdet. Um das mal direkt klarzustellen!! 

Dennoch ist es so, dass ich mich aktuell des Lebens einfach so unendlich müde fühle. Mit Mitte 30 merke ich jetzt so langsam, Erwachsen sein ist irgendwie kacke. Man hat viel zu viele Sorgen und Probleme und muss sich um so viel unnötigen Mist kümmern.

Was waren das noch für Zeiten, in denen ich morgens mit meinem Teddy-Schlafanzug die Treppe runtergeschlichen bin und mich mit einem Kakao vor den Fernseher gesetzt habe und meine einzige Sorge war ob ich nun die Glückbärchis oder die Gummibärenbande anschaue. Oder aber auch der Moment in dem deine erste Liebe zu ende geht und du das Gefühl hast der Schmerz wird nie vergehen und du wirst nie wieder glücklich sein. So viele Momente auf die ich heute mit einem Schmunzeln zurück blicke, weil sie einfach so weit weg und so banal erscheinen. Damals waren es Dramen und die größten Probleme vor denen man stand. Unbeliebtheit in der Schule, Kämpfe mit den Eltern wie lange man nun weggehen darf und die riesen Angst durch die Führerscheinprüfung zu rasseln (okay, ist mir letztlich auch passiert aber who cares).

Heute weiß ich irgendwie diese Zeit und diese Probleme ganz anders zu schätzen. Jetzt quält man sich durch seine 40 (und mehr) Stunden Woche für ein Gehalt was einem zumindest ein Dach über dem Kopf und was zu Essen sichert. Jeden Tag derselbe Trott. Am Ende kann man sich aber bei den überteuerten Preisen und dem nicht vorhandenen Eigenkapital (woher auch) nicht mal was eigenes leisten. Den Druck des Alters nicht zu vergessen. 33 und noch kein Nachwuchs in Sicht. Oh mein Gott die biologische Uhr brüllt es mir jeden morgen im Spiegel entgegen. Und wann ist dafür überhaupt der richtige Moment? Oder kommt der überhaupt? Klappt das alles finanziell und ist meine Beziehung für ein Kind stabil genug? Versteht Ihr jetzt was ich meine mit ich hätte gerne meine Probleme mit der Gummibärenbande und den Glücksbärchis zurück. Ich möchte mich mit all dem nicht auseinandersetzen. Wo ist meine Mama die mir sagt wie es gemacht wird und wann? 

Ich glaube ja, wir Deutschen machen grundlegend was falsch. Wir arbeiten alle mehr als zu leben und, wenn wir leben können weil wir nicht mehr arbeiten müssen sind wir zu alt um es zu genießen. Eigentlich eine sehr traurige Bilanz. So viele Länder machen es anders. Da zählt die Freizeit mehr als die Arbeit und die Menschen sind wesentlich ausgeglichener. Wäre ich übrigens auch, wenn ich ab 15 Uhr mit meinem Bierchen irgendwo am Strand sitzen könnte. Wieso muss ich 8 Stunden arbeiten, von denen vielleicht 5 produktiv sind. Lasst mich doch lieber 4-5 Stunden Vollgas geben und danach kann ich das Leben genießen. Schaut euch unsere südländischen Nachbarn an. Ab 14 Uhr wird getrunken und gelacht und zusammen gesessen überall wo es Sitzmöglichkeiten gibt. Ich will auch!!!!

Naja gut, vielleicht jammere ich auch auf hohem Niveau und mit Sicherheit geht es mir nicht schlecht und ich sollte dankbar sein für das Leben das ich habe. Bin ich auch aber ich hinterfrage manchmal schon wie man es sich vielleicht ein bisschen lebenswerter machen kann. Manchmal reizt es mich einfach mein eigenes Ding zu machen. Sein Herr zu sein, alles in sich selbst zu investieren und sich nur für sich selbst den Pobbes aufzureißen. Nur was ist mein eigenes Ding? Leider kann ich nix. Ich bin handwerklich nicht begabt, nicht wirklich kreativ oder hatte bisher irgendeine tolle ausgefallene Idee die noch keiner hatte. Schätze mit solchen Gegebenheiten kann man leider nicht viel anfangen.......Eventuell noch einen Hängemattenverleih oder Kokosnussverkauf irgendwo in der Karibik aufmachen........

Ach Kinners das Leben könnte so schön sein. Besonders aktuell ist es ja noch trostloser. Man steht morgens auf, schleppt sich ins Bad, wählt seine schönste Joggingshose aus, überlegt ob Zähneputzen ja oder nein, schleppt sich an seinen Schreibtisch aka Esstisch und fängt an zu arbeiten. Der weiteste Weg des Tages ist zur Kaffeemaschine, zum Klo oder ganz risky zum Briefkasten. Nach Feierabend macht man den PC aus und schleift seinen Pobbes vom Stuhl auf die Couch, wo man dann versucht nicht dem Alkoholwahn zu verfallen und seinen Weinvorrat weiter zu minimieren. Ehrlich Leute, wenn die Kassiererin im Aldi, dich beim Wochenendeinkauf zu Coronazeiten fragt ob du eine Party schmeißt läuft was falsch. Oder zwei Autos brauchst um deinen Glaspfand wegzubringen.......ich sags euch es sind brandgefährliche Zeiten.


Schluss mit dem Gejammer. Um bei dem Post am Ende doch noch die Kurve zu kriegen, ist es doch am wichtigsten, dass man gesund ist, die Familie und Freunde gesund ist, einen Job hat bei dem es regelmäßig Gehalt gibt und man mindestens einen Menschen um sich hat der einen auch mit fettigen Haaren, in Jogginghose und mit Weinglas in der Hand liebt!!! In diesem Sinne "PROST"



Machen Sie es auch für die Hälfte?



Nein, wir sprechen hier nicht von einem Post über das horizontale Gewerbe oder eine schlüpfrige Tinder-Anfrage.
Heute möchte ich über das Thema Beruf, Jobsuche und Bewerbungsgespräche philosophieren, mich beschweren und aus eigener Erfahrung berichten.
Jetzt bin ich nicht erst seit gestern aus der Schule raus sondern habe mittlerweile schon stolze 10 Jahre Beruferfahrung auf dem Buckel. 
Diverse Jobwechsel und etliche Bewerbungsgespräche kann ich vorweisen und die ein oder andere Anekdote berichten.
Irgendwie ist das alles in der Zwischenzeit furchtbar frustrierend geworden aber gehen wir das Leid der Berwerbenden ruhig mal der Reihenfolge nach durch.

Schritt 1 -> Die Recherche

Bevor man sich also in die berauschenden und teilweise sogar skurilen Bewerbungsgespräche stürzen kann, muss erstmal die Grundlage her, nämlich eine inserierte Stelle auf die man sich gerne bewerben möchte.
Wer jetzt denkt "Ist doch easy und weiter....." tja, weit gefehlt. Zwar gibt es in unserem Internet der unbegrenzten Möglichkeiten, diverse Jobportale aber die Auswahl oder sagen wir mal das Resultat ist eher spärlich.
Laut gesuchtem Profil in der Stellenbeschreibung hast du am Besten dein Studium gerade mit einem Einser Durchschnitt beendet. Allerdings hast du schon einige Jahre Berufserfahrung und kannst jede Menge Qualifikationen vorweisen. Natürlich bist du zeilich flexibel und hast auch kein Problem bis spät abends oder am Wochenende zu arbeiten. Überstunden zeigen ja schließlich Einsatz!

Bis dahin soweit kein Problem, könnte jedoch sein, dass du beim Abschicken deiner Unterlagen scheiterst. Denn wie früher mit "Bitte schicken Sie Ihre Unterlagen an folgende E-Mail" ist es heute nicht mehr getan. Man muss sich in einem Portal des Unternehmens registrieren. Die 10000sten Zugangsdaten die man dann irgendwo im Nirvana ablegt, weil man Sie vermutlich nie wieder braucht.
Oder wenn man sie dann doch nochmal braucht findet man sie natürlich nicht.

Dann darf man dort seinen Lebenslauf hochladen nur um dann im nächsten Schritt nochmal alle Stationen des Berufsweg einzeln und im Detail aufzuführen. Wofür genau hab ich meinen Lebenslauf angehängt?
Wenn man dann diese schweißtreibende Arbeit hinter sich gebracht hat, hängt sich das Portal entweder an den hochgeladenen Unterlagen auf oder aber du darfst minutenlang diesen einen rot markierten Fehler in irgendeinem Feld suchen, wegen dem er dich nicht weiter lässt.

Puh, okay aber immerhin ist man seinem Ziel dann irgendwann schon ein Stückchen näher und freut sich im ersten Step über die eingehende Bestätigungsmail, dass die Bewerbung eingegangen ist.
Was uns zum nächsten Schritt führt......


Schritt 2 -> Das Warten

Jetzt freut man sich also wie ein Keks, dass man eine passende Stellenausschreibung gefunden und den Marathon des Bewerbungsprozesses fürs erste hinter sich gebracht hat und dann kommt das große Warten.....
Tage, Woche oder einfach auch mal für immer......
Ich verstehe es einfach nicht. Unzählige Bewerbung schreibt und versendet man und hört nie wieder davon.
Nicht mal ein "Wir finden Sie scheiße und möchten Sie einfach nicht Kennenlernen". Nicht mal das! Die Unternehmen schweigen sich einfach aus und das obwohl man sich so viel Mühe gegeben hat.

Oder aber man bekommt eine Mail mit dem Standarttext, teilweise sogar richtig offensichtlich falsch. Da hatte ich zum Beispiel mal eine Absage mit den Worten "Wir bedanken uns für deine Bewerbung und das angenehme Gespräch, jedoch müssen wir......" ehm okay. Also entweder haben wir telefoniert während ich komatös gar nix mehr mitbekommen habe oder aber es hat sich jemand für mich ausgegeben, denn an ein Gespräch kann ich mich defintiv nicht erinnern.

Sicherlich die meisten Unternehmen bekommen eine so große Zahl an Bewerbungen, dass Sie von Anfang an differenzieren und aussieben müssen schon klar. Da geht es um Rechtschreibung, Layout und als wichtigstes um das Gehalt. Alles verständlich aber dann sagt einem doch bitte, dass man Land gewinnen soll oder vielleicht aber beim Gehalt, könnte man ja auch mal fragen ob es da Spielraum gibt.
Aber gut, was weiß ich schon......

Vielleicht hat man aber auch Glück und es kommt eine nette Mail oder ein Anruf, dass man einen kennenlernen will. Man freut sich, der Körper platzt vor Euphorie.
Klassisch beginnt es oft mit einem simplen Telefongespräch um einen ersten Eindruck zu bekommen um danach zu entscheiden, dass es zu einem persönlichen Gespräch kommen soll. Außer es ist Corona, da ist natürlich alles anders.

In den Meisten Fällen wird man aber gar nicht angerufen, weil man einfach zu hohe Gehaltsvorstellungen hat. Aber was ist hier eigentlich hoch? Da kommen wir auch wieder an die Anforderungen an den Bewerber zurück. Der soll nämlich nicht nur frisch aus dem Studium mit Berufserfahrungen kommen, der darf auch nix verdienen wollen. Wer aber nun mal wie ich in einem Gebiet wohnt, wo eine 2-Zimmerwohnung so viel an Miete kostet wie anderswo ein komplettes Haus, der hat einfach die Arschkarte gezogen. Denn du wohnst teuer und sollst dann aber für günstig Geld 60 Stunden die Woche arbeiten. Macht Sinn......aber gut anderes Thema aber hier kommen wir schon der Überschrift meines Posts ein Stückchen näher.

Dann muss man aber auch erstmal einen gemeinsamen Termin finden. Gar nicht so einfach bei Terminvorschlägen unter der Woche zwischen 9 und 15 Uhr, wenn man aktuell noch Vollzeit woanders beschäftigt ist, keinen Urlaustag opfern möchte oder einfach zu ehrlich ist um sich für ein Bewerbungsgespräch krank zu melden. Teilweise erkennt man hier schon, es findet sich kein gemeinsamer Nenner oder man wird an dieser Stelle einfach aussortiert, weil man ja nicht "Flexibel" genug ist. Vielen Dank auch!! Aber weiter im Text....

Schritt 3 -> Das Interview

Du hattest also Glück und bist einer der auserwählten die in die Gunst kommt das Unternehmen von dir zu überzeugen. Denn auch das ist anders, heute muss immer der Bewerber überzeugen und zeigen was er zu bieten hat. Das Unternehmen selbst kann der letzte Sauhaufen sein, die müssen sich nicht präsentieren sie bekommen die Stelle so oder so besetzte denn......irgendeiner macht es immer. Auch für die Hälfte.

Man hat also telefoniert, 30 Minuten oder mehr Lebenszeit investiert. Oder man ist sogar direkt nach seinem Hauptjob irgendwo gehetzt in die Pampa gefahren. Findet keinen Parkplatz, geschweige denn das gesuchte Gebäude und kommt dann total zerzaust und verschwitzt beim Termin vor Ort an.
Hier fragt man sich schon ganz gespannt was man für ein Publikum haben wird. Wird es eine One-Man-Show oder hat man einen Pulk von Menschen die man der Reihe nach für sich gewinnen muss.

- Wenn man nicht eventuell auf dem Weg zum Termin angerufen wird mit der Info, der Ansprechpartner hätte einen dringenden Termin reinbekommen und man müsse das Gespräch wann anders führen - 

In den ersten Minuten bekommt man eigentlich schon das Gefühl ob es ein gutes oder ein schlechtes Gespräch werden wird. Dies ist zu 100% abhängig von den anwesenden Personen.
Im besten Fall kommen alle pünktlich, im schlimmsten Fall demonstrieren Sie Ihre Macht und lassen dich einfach mal eine halbe Stunde allein im Raum warten. Ob du ein Glas Wasser oder einen Kaffee bekommst ist auch so eine 50/50 Chance (und vom Anteil der männlichen Teilnehmer abhängig).

Dann stellen sich erstmal alle vor und dann kommt der spannende Part, führe die Meute durch deinen Lebenslauf. Was man da schon alles zu hören bekommt. Teilweise gibt es fragen zu den detaillierten Abläufen deines ersten Jobs vor über 10 Jahren. Kinder, ich bin froh, dass ich mich an den Namen meines Partners erinnere, fragt mich da bitte doch nicht wie genau da die passive Lohnveredelung in meinem ersten Job abgelaufen ist.....

Auch schön war die Frage ob ich denn überhaupt einen Schulabschluss hätte und das für einen fehlenden Schulabschluss meine Gehaltsvorstellungen aber doch sehr ambitioniert wären. Ich musste dann nett darauf hinweisen, dass meine Daten in ein Lebenslaufformular einer Personalvermittlung übernommen wurden und ich doch nichts dafür könnte, wenn man dort meinen Schulabschluss vergessen hätte.

Man führt aso durch seinen Lebenslauf, erklärt die Stationen und die jeweiligen Wechselmotivationen. Man redet über seinen Werdegang, meistens nicht zum ersten Mal und in der Regel ist es ein monolog, der je nach länge des Lebenslaufs schon ein wenig dauernd kann.
Schön ist, wenn man im Anschluss gefragt wird ob man das alles vielleicht nochmal in englisch machen könnte.
Oder aber man wird gefragt ob man eine Tratschtante wäre, weil man würde ja so schnell und viel reden und Menschen die viel reden tratschen auch automatisch sehr viel......ehm ja okay WTF?
Dann beginnt die lustige Fragerunde....."Was sind Ihre Schwächen" - Ich habe keine (Scherz), "Was sind ihre Stärken" - Das ich keine Schwächen habe (Hust), "Wo sehen Sie sich in 10 Jahren" - Auf Ihrem Stuhl in Ihrer Position"......usw. man kann hier entweder alles falsch oder aber viel richtig machen. Ein Drahtseilakt bei dem man die Balance halten sollte.
Fragen wie "Haben Sie Kinder" und "Sind Sie verheiratet" fand ich da auch sehr spannend.

Natürlich geht es, gegen Ende, dann auch darum nochmal das Thema Gehalt abzustecken. Ich habe in meinen Anschreiben immer eine Gehaltsspanne angegeben, weswegen ich es dann doch sehr interessant finde, wenn Unternehmen trotzdem versuchen einen unter die unterste Grenze zu drücken. Man gibt das ja schließlich nicht aus Spaß an.
Ich frag mich immer was hier erwartet wird? Antworten wie "Ach wissen Sie was für Sie mach ich es auch für die Häfte"!?

Des Öfteren passen natürlich aber die eigenen Vorstellungen mit den Vorschlägen des Unternehmens ganz gut überein.

Und auch hier wurschtelt man sich durch und wer sich gut vorbereitet hat, stellt am Ende natürlich auch noch ein paar schlaue Fragen.
Am Ende hat man irgendein Gefühl was man mit nach Hause nimmt.

Dann heißt es wieder warten und schauen wie es weiter geht, womit wir zum letzten Schritt kommen!

Schritt 4 -> Die Entscheidung

Dein Schicksal liegt nun in den Händen anderer Menschen und du checkst jeden Tag dein Telefon und deine Mails in der Hoffnung ein positives Feedback zu bekommen.

Teilweise musst du bevor du auftatmen kannst aber ja noch ein Zweitespräch überstehen oder in der Advanced Version sogar einen Probetag im Unternehmen absolvieren. Finde ich grundsätzlich gar nicht so schlecht aber lassen wir uns die investierte Zeit doch ma kurz auf der Zunge zergehen:

Bewerbung schreiben (je nach Portal) ca. 15 Minuten, evtl. erstes Telefonat oder Termin 30-50 Minuten (ohne Anfahrt), evtl. 2tes Gespräch mit mehr Details ca. 30-40 Minuten, möglicherweise noch ein Probetag ca. 4-8 Stunden (je nach Wunsch). Und am Ende hat man immernoch keinen Job in der Tasche.....

Wow und dann kommt der Anruf, Sie haben uns überzeugt wir würden Ihnen die Position gerne anbieten. Wegen Ihren Gehaltsvorstellungen sieht es allerdings folgendermaßen aus, wir haben uns das Gehaltsgefüge des Teams angeschaut und wir müssen hier die Waage halten daher können wir Ihnen nur ein Jahresbruttogehalt von Summe xy anbieten. *STILLE*
- Ehm ja, dass ist die Hälfte von dem was ich gefordert habe......
Ja, aber die Entwicklungschancen und eine unbefristete Festanstellung an sich ist ja schon jede Menge wert......... - *Aufgelegt*

Oder aber selbst im Gespräch passt alles, ihr seid euch einig und du bist vollständig überzeugt, freust dich innerlich schon auf deine neue Position. Trotzdem......Du darfst NIEMAL denken es ist alles in trockenen Tüchern bis du den Vertrag gelesen und unterschrieben hast.
Denn dann kommt der Vertrag und du fragst dich ob alle anwesenden in den vorherigen Gesprächen überhaupt zugehört haben.
Dein Fixgehalt ist auf einmal weniger als besprochen und beeinhaltet eine Provision mit Zielen, dein Aufgabengebiet ist variabel beschrieben und dein Einsatzort flexibel in ganz Deutschland usw.
Alles schon erlebt....


Liebe Unternehmen wieso macht Ihr es gutem Personal eigentlich so schwer? Wie viele Menschen können hart arbeiten, sind intelligent und wollen einen sicheren Hafen und sich in und mit dem Unternehmen entwickeln. Könnt ihr diese Menschen nicht auch entsprechend bezahlen?
Gutes Personal ist nun mal teuer, ansonsten stellt man doppelt ein oder muss die wichtige Arbeit trotzdem selbst machen.
Ich erlebe es immer wieder. Lieber 2-3 Personen weniger eingestellt, dafür die wenigen die man einstellt entsprechend bezahlen.

Und noch was......auch Ihr bewerbt euch. Der Bewerber muss sich auch von euch überzeugt fühlen und das Gefühl bekommen ihr möchtet euch bei Ihm bewerben, wir haben hier keine einseitige Geschichte auch, wenn das viele Unternehmen leider so sehen. Wir wissen ihr habt die luxuriöse Position euch die Bewerber aus Massen von Menschen aussuchen zu können aber es ist doch auch wichtig sich die richtigen Leute auszusuchen....

So das war mein Wort zum Sonntag....äh Samstag ich hoffe es hat euch amüsiert :)