Hätte, Wäre, Wieso, Weshalb und Überhaupt.........



Ich sitze an meinem Schreibtisch und starre die beige-graue Teppichwand meiner "Arbeitsbox" an. Mein Blick schweift von links nach rechts und über die Box hinaus, ich beobachte meine Umgebung.
Irgendwie fühle ich mich ganz schön Fehl am Platz, so als würde ich hier nicht hingehören. Manchmal habe ich wirklich das Gefühl mit mir stimmt etwas nicht. Schön als kleines Mädchen habe ich immer gerne geschauspielert, im Mittelpunkt gestanden und mich selbst verwirklicht. Für mich sollte es immer spannend und voller Action sein. Damals habe ich immer naiv gedacht ich bin zu etwas großem bestimmt.

Nun sitze ich hier, als Vertriebsassistentin, verheiratet, 27 und habe manchmal keinen Plan was ich eigentlich will.
Ich habe auch keinen Plan wohin ich will ich bin absolut planlos. Ich spüre nur manchmal so eine Rastlosigkeit und Unzufriedenheit die mich wirklich schockiert. Eigentlich habe ich alles was ich will. Einen tollen Job bei dem ich gut verdiene, einen tollen Mann der mich so liebt wie ich bin und alles für mich macht, eine große Familie die immer hinter mir steht und eine schöne Wohnung in der ich mich wohl fühle.
Was also genau stimmt denn nicht mit mir?

Vielleicht ist es eine Vor-Midlife-Crisis oder eben die berühmte Endzwanziger Krise. Schön, dass es ausgerechnet mir so geht und ich nicht einmal im Leben dankbar und zufrieden sein kann mit dem was ich habe.

So sitze ich hier und fühle mich irgendwie ein bisschen verloren. Manchmal wäre ich gerne weit weg. Wieso wurde ich nicht zum Beispiel in Amerika geboren? Konnte auf die High School gehen, im Theater mit spielen und später berühmte Schauspielerin werden.
Oder wieso lebe ich nicht im Süden, wo es warm ist, bin vielleicht Ärztin und bewege etwas in der Welt?
Wieso musste ich in einem kleinen Örtchen in Deutschland aufwachsen, habe massive Probleme in der Schule gehabt und arbeite nun jeden Tag vor mich hin ohne einen wirklichen Sinn?

Okay, klingt alles sehr düster und depressiv aber ich frage mich manchmal echt was wäre, wenn ich ein anderes Leben hätte. Oder ob ich hier richtig bin? 
Ja, sagt mein Verstand ;) Vielleicht sollte ich darauf vertrauen, dass mit dem Alter auch die Weisheit kommt und man Dinge nicht mehr so viel hinterfragt und hin nimmt wie sie sind.
Ich muss daran arbeiten, im Endeffekt bringt es auch nichts ich habe nur dieses eine Leben und ich sollte das Beste daraus machen.

Manchmal hilft es auch einfach es mal aufzuschreiben, so wie jetzt. Eventuell gibt es ja andere denen es genauso geht und ich bin nicht alleine mit meinen chaotischen Gedanken ;)
Aufschreiben hilft aber auch um sich zu sortieren und sich manche Dinge bewusst zu machen.

Kennt ihr ähnliche Gedanken? Habt ihr vielleicht Tipps?

Kommentare:

  1. Meine Freundin, die jetzt zum 3. oder 4. Mal ins Ausland gegangen ist, sagt immer: es ist nie zu spät alles auf Null zu setzen und irgendwo neu zu starten. Du bist ja erst 27, da ist doch noch alles möglich! Wer sagt denn, dass du für immer Vertriebsassistentin in Deutschland bleiben musst? Man muss halt mutig sein, aber nichts ist in Stein gemeißelt!

    Liebst, Bella
    http://kessebolleblog.blogspot.de

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  2. Ich kenne das Gefühl nur zu gut. Eigentlich bin ich ziemlich zufrieden mit meinem Leben und würde man mir die Chance geben, ich würde mit niemandem Tauschen wollen. Aber ich habe auch ständig das Gefühl, dass egal was ich mache, egal was ich erreiche, es noch nicht genug ist. Ich bin immer noch auf der Suche nach mehr und habe das Gefühl, es könnte noch besser gehen. Und dann frage ich mich natürlich auch, ob nicht alles ganz anders gekommen wäre, wenn ich anders aufgewachsen wäre.

    Liebe Grüße,

    Hanna von Written In Red Letters

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  3. Ich kenne das Gefühl auch. Ich denke jeder hat Momente, wo er genauso denkt.
    Schön geschrieben :)

    http://www.page7hundred.com/

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  4. Da kann ich nur sagen - 1st world problems. Ich denke aber, dass es vielen Leuten so geht. Werde dir noch mal bewusst, was du hast und wer du bist. Dann denke daran, wie es anderen Menschen geht, die sich nicht so glücklich schätzen können wie du. Das hilft mir immer. ;) Des Einen Leid ist leider des Anderen Glück.

    Gruß Ina
    http://inaisst.blogspot.com/

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  5. Liebe Laura,

    ich denke viele haben solche Gedanken in ihrem Leben. Mir hilft es, die Dinge aufzuschreiben, von denen ich träume. Und sie mir statt als Träume als Ziele zu setzen. Zum Beispiel in Zukunft dieses und jenes Land zu bereisen. Dann hat man es immer im Hinterkopf und arbeitet automatisch darauf zu.

    Aber es stimmt - wir haben es in Deutschland so gut und bekommen alles, was wir brauchen. Wir sollten jeden Tag schätzen, wie gut es uns geht. Und daran, was wir aus all den Chancen machen, können wir ganz allein was ändern. Du bist noch so jung, du kannst alles aus dir machen. Und wenn du Lust hast, nochmal was Neues anzufangen, wieso denn nicht! Eine feste Ausbildung hast du in der Tasche, also kann dir nichts passieren. Nur, dass du in 50 Jahren dasitzt und dich fragst, warum du es damals nicht gewagt hast :) So ist meine Einstellung dazu.

    Ich wünsche dir eine wunderbare und besinnliche Vorweihnachtszeit.
    Streck einfach mal die Nase in die klare Winterluft und freue dich, so eine tolle Familie um dich zu haben.

    Liebste Grüße,
    Victoria
    http://vintagemaedchen.de/

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  6. Liebe Victoria,

    das hast du sehr schön geschrieben und ja du hast völlig recht. Es ist nie zu spät aber manchmal ist man einfach bequem und bricht nicht alles ab und fängt neu an. Man hat ja auch gewisse Verpflichtungen. Ich habe zum Glück noch keine Kinder aber doch habe ich mir hier etwas aufgebaut.
    Schwierig so etwas aber ich werde deinen Rat berücksichtigen und mein Näschen in die Winterluft stecken und mal durchatmen ;)

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  7. Eigentlich ist alles perfekt, aber... :) Das kenn ich auch. Man hat eigentlich alles erreicht was man sich wünschen kann, aber der Gedanke meldet sich doch ab und an: was wäre eigentlich wenn ich das und das gemacht hätte? Wenn ich doch ins Ausland gegagen wäre? Uns steht die Welt offen und wir haben alle Möglichkeiten, dadurch fragt man sich glaub ich immer wieder was noch möglich gewesen wäre, auch wenn alles toll ist.
    Im Zweifel drauflos träumen, was man gerne noch machen würde und sich darüber freuen, was man erreicht hat und wen man liebend um sich hat :)

    Liebe Grüße, Mona von Belle Mélange

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  8. Hey,

    Ich fühle mit dir - nicht aus eigener Erfahrung, aber du schreibst so schön :)

    Ab und zu fällt jedem die Decke auf den Kopf. Da sollte man aktiv werden, um nicht einzugehen. Vielleicht die Wohnung umdekorieren. Oder wie wäre es denn mit einer neuen Sportart. Mal etwas ganz verrücktes ausprobieren. Oder einen schönen Urlaub in einem für dich völlig neuen Land (ja ich weiß, das kann teuer werden..) oder einfach mal mit der Familie oder Freunden zelten gehen?

    Ich denke auch, dass das Wetter zur Zeit viele runter zieht (mich zum Beispiel). Ich komme nach Hause wenn es dunkel ist und verkrieche mich mit meiner Kuscheldecke und Tee auf die Couch. Wenn ich merke, dass es mich auf Dauer zu sehr runter zieht, verabrede ich mich einfach mit einer Freundin zum Pilates (wobei das meistens mehr Quatschen als Sporteln ist).

    Lass dich nicht unterkriegen! Bald ist die düstere Jahreszeit wieder vorbei und wer weiß, vielleicht bekommst du ja einen starken Impuls, wo es dich hintreiben soll.

    Liebe und aufmunternde Grüße,
    Miss Grape
    http://missgrapeabella.blogspot.de

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    1. Mit dem Wetter könntest du recht haben, dass zieht einen irgendwie runter und man denkt zu viel nach. ;)

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Vielen Dank wie wunderbar, für dein neues Kommentar!